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Lebenszeichen aus der Adria


Jeder Einsatz an Bord ist anders. Während du in deinen letzten Verträgen oftmals bis in die Puppen in der Crewbar versackt bist, gehst du auf diesem Schiff nach Feierabend lieber zum Sport und früh ins Bett. Wer hätte gedacht, dass du dich damit so viel besser fühlst. Wirst du etwa alt?


Jetzt hast du bereits fast die Hälfte deiner Zeit an Bord hinter dir und bist in der letzten Woche vor der großen Reise runter in den indischen Ozean. Die letzten acht Wochen in der Adria mit 13 verschiedenen Häfen (Korfu, Triest, Zadar, Dubrovnik, Bari, Souda Bucht, Santorini, Kusadasi, Piräus, Valetta, Catania, Crotone, Argostoli) lässt du jetzt erstmal Revue passieren. Jeden Tag ein anderer Hafen, kaum Seetage - das birgt viel Arbeit und jede Menge Eindrücke.


Angereist bist du nach Korfu einen Tag, bevor das Schiff im Hafen lag. Daher erstmal ins Hotel. Und was für eins: traumhafte Lage - direkt neben der Flughafenlandebahn. So konntest du hautnah jeden Start und jede Landung direkt miterleben. Mit allen Sinnen - Ein Traum. Vor allem die Lautstärke. Ironie aus. Fasziniert haben dich dort vor allem die „normalen“ Urlauber, die hier für hoffentlich etwas weniger Geld Urlaub gebucht hatten. Die schien der ganze Flugtrubel überhaupt nicht zu interessieren. Schon verrückt, wie Menschen so ticken, wenn sie Geld sparen wollen.


Der Aufstieg an Bord war wie immer organisiert. Transfer vom Hotel zum Schiff und dann gehts los. Diesmal wurdest du bereits auf der Pier von deinen neuen Kollegen in herzlich Empfang genommen - eine schöne Begrüßung!


Da noch alle Doppelkabinen belegt waren, wurdest du zuerst in einer Einzelkabine mit geteiltem Badezimmer untergebracht - mit der Ansage, dass du bald umziehst. "Juhu", dachtest du, hoffentlich wird vergessen, dich in eine andere Kabine zu planen. Allerdings nur bis zur ersten Nacht, in der du aufgrund der Lautstärke leider kaum ein Auge zu machen konntest. Die Kabine liegt direkt über dem Wassertank. Das bedeutet, lautes Geplätscher und Wellengeräusche wie bei stürmischster See. Also bist du heilfroh, dass du dann nach zwei weiteren Nächten endlich in deine eigentliche Kabine wechseln konntest. Beste Lage direkt an der „Hauptstraße“ mit kurzen Wegen überall hin. Groß und leise - hier kannst du die restlichen vier Monate bleiben. Die Mitbewohnerin ist auch kompatibel - passt!


Die allermeisten Häfen auf dieser Reise kennst du noch nicht, daher wusstest du nicht, was dich erwartet. Die erste Route führt nach Italien. Auf Sizilien betrittst du das erste Mal italienischen Boden und darfst deinen ersten Ausflug zum Ätna begleiten.


Mit Unimog und Seilbahn. Denkste! An diesem Tag sind die Sicht- und Windverhältnisse so schlecht, dass die Seilbahn nicht fährt.


Daher mit den großen Allradbussen bis ganz nach oben und das bei einer Sichtweite von -3 Metern! Technisch gesehen, stehst du direkt neben dem höchsten begehbaren Krater des Vulkans, du hast ihn nur nicht gesehen. Und kalt war es!






In Triest isst du deine erste echte italienische Pizza. Und zwar mit den Händen, denn die Kellner des Lokals haben es nicht für nötig empfunden, eurem Tisch Besteck oder Servierten zu bringen. Äußerst unpraktisch, da die Pizza nicht mal vorgeschnitten war, aber unglaublich lecker!

Venedig hat es dir besonders angetan. Dreimal konntest du durch die Lagunenstadt spazieren, dich in den verwinkelten Gassen verirren und den einzigartigen Charme genießen. Trotz der Menschenmassen hast du jede Sekunde genossen und warst einfach fasziniert von dem Ambiente. Jetzt hast du endlich selbst gesehen, wenn du in deiner eigenen Hamburger Stadtführung erzählst, dass der Rathausplatz dem Markusplatz in Venedig nachempfunden sein könnte. Die Arkaden sehen auch genauso aus wie an der Alster und so fühlst dich hier auf merkwürdige Art irgendwie Zuhause. Zu deinem letzten Besuch dort hat sich die Stadt dann gebührend verabschiedet, denn es hat in Strömen gegossen, sodass sogar der Markusplatz unter Wasser stand. Aber die Venezianer sind vorbereiten und so werden die Touristen ganz einfach über Laufstege geleitet, um sprichwörtlich über das Wasser zu gehen.


In der Türkei bist du auch zum ersten Mal und wirst prompt von der Mentalität überrollt. Die Ausflüge in Kusadasi hatten alle eine kleine Besonderheit - es ging immer zu einem „Lederoutlet“.

Nach einer kurzen Modenschau, in der fesche Wende-Lederjacken durch ausdruckslose Models präsentiert wurden, durfte dann selbst geshoppt werden. Alles „feinste“ Qualität und alles ohne Preisschilder. Es gab lediglich farbige Punkte auf den Etiketten, durch welche die Preise gekennzeichnet sind. Die Preise konnte man dann einer Tafel entnehmen oder sie wurden einem NACH intensiver Beratung des rhetorisch sehr gut geschulten Personals genannt. Ein älteres Ehepaar entschloss sich tatsächlich Jacken zu probieren und wurde prompt vom Verkäufer eingelullt.

Zwei Jacken reicher und über tausend Euro ärmer verließen sie anschließend das dubiose Geschäft. Vor der Tür hast du dann ein Gespräch anderer Gäste mitbekommen, die sich über die Fake-Industrie der Türkei unterhielten. Hättest du dich eher darüber informiert, hättest du das drollige schwäbische Paar sehr wahrscheinlich dezent davon abgehalten, ihr frischerhaltenes Erbe, wie dir die Dame ganz gerührt erzählte, hier in der Türkei in „Lammleder“-Jacken zu investieren. Die Nacht danach konntest du dann vor lauter schlechtem Gewissen kaum schlafen.. Aber die Gäste haben dir im Anschluss immer wieder betont, wie glücklich sie über den Kauf sind. Du hoffst inständig, dass das so bleibt. Beim nächsten Türkei-Anlauf bist du nun jedenfalls bestens gewappnet!


Ein paar Tage hattest du sogar Besuch von deiner Familie. Zusammen mit deiner Oma und deiner Mutter hat sich diese gemeinsame Zeit auch für dich angefühlt wie Urlaub. Vor allem, wenn Mama dir morgens einen Kaffee zum Ausflugsschalter bringt oder dir ein Frühstücksbrot schmiert.


Außerdem konntest du dich in dieser Woche hemmungslos durch die Restaurants futtern.






Diese Kilos musst du jetzt erstmal wieder abstrampeln.

Also ab zum Sport!!





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