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Ankommen


Wie kommt man an, auf einem Schiff mit mehr als 1.300 weiteren Crewmitgliedern und über 5.000 Gästen?


Die ersten Tage sind für dich schwieriger als gedacht. Altbekannte Arbeitsabläufe kannst du dir zwar schnell wieder ins Gedächtnis rufen und dich gut einfinden, aber die Wege auf diesem riesigen Schiff ergeben für dich nur teilweise Sinn und so fällt es dir doch recht schwer, selbst die einfachsten Dinge, wie vorne und hinten, zu erkennen. Dieses Schiff ist einfach anders - größer, als alle vorherigen, auf denen du gearbeitet hast. Immerhin prägst du dir schnell den Weg ins Büro, zu deiner Kabine und zur Crewbar ein. Alles weitere muss dann mit der Zeit kommen. Nebensächlich!


Nach langen Arbeitstagen hast du natürlich auch an Bord Feierabend. Anfangs noch ziemlich erschlagen, freust du dich eigentlich nur auf dein Bett und versuchst so viel Schlaf wie möglich zu bekommen - die sinnvollste Entscheidung. Aber da das Leben an Bord nicht nur aus Arbeiten und Schlafen bestehen kann, willst du auch die Möglichkeiten für die Crew auszuschöpfen.


Am ersten Abend genießt du das Auslaufen mit deinen frisch gefundenen Freunden, die du während der Anreise kennen gelernt hast. Die können deine Schwierigkeiten gerade am besten mitfühlen. Mit Tränen in den Augen verlasst ihr zu später Stunde den Hafen von Teneriffa und du bist nach 3 Jahren wieder an dem Ort, zu dem es dich immer gezogen hat. Den Funken der Skepsis, der dich leicht im Unterbewusstsein kitzelt, schiebst du beiseite. Für Traurigkeit über das Verlassene ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.


Der folgende Tag ist dann erstmal mit Sicherheitstrainings und Einführungen ins neue Bordleben gefüllt. So wird dir zum gefühlt hundertsten Mal der Ablauf einer Seenotrettungsübung erklärt. Aber Safety First. Einen richtigen Ernstfall möchtest du trotzdem nie erleben!


Auf Lanzarote darfst du das erste Mal wieder einen Ausflug begleiten - das Sahnehäubchen deines Jobs.

Und so darfst du auf deinem ersten Ausflug Kamelreiten gehen.

Ausflüge mit Tieren siehst du generell immer etwas skeptischer. Schließlich dienen die Tiere hier in erster Linie zur Unterhaltung der Touristen. Und so werden lange Caravanen von Kamelen mit dicken, dünnen, kleinen und großen Urlaubern besetzt und einem Bergauf und Bergab geführt. Toll!


Noch wilder wird’s ein paar Tage später im Loro Parque! Das Highlight der Gäste für den Tag auf Teneriffa. In Scharen werden Busladungen von Menschen in den Tierpark gekippt, um Vögel, Delfine, Seelöwen und Wale zu bestaunen. Dazu werden natürlich auch Tiershows angeboten. Getreu dem Motto „We care“ vollführen Orcas in einem kleinen Becken ganz natürlich Kunststückchen und spritzen die Zuschauer zur Erheiterung mit Wasser nass. Rettet die Wale.. Zur Beruhigung deiner Nerven beobachtest du dann erstmal eine ganze Weile die Riesenschildkröten, die gerade dabei sind ein großes Loch zu graben. Bestimmt zur Flucht!


An Bord ist die Zeitrechnung anders als an Land. Ein Tag hier ist für dich wie eine Woche zuhause. Und trotzdem vergeht die Zeit wie im Flug. Die erste Woche ist so schnell vergangen, sodass du bereits nach kürzester Zeit jegliche Wochentage vergessen hast. Es geht einfach immer weiter. Dazu kommt, dass du dich nach dem Feierabend immer öfter für die Crewbar entscheidest und somit immens an Schlaf einbüßt.

Aber das Gefühl allein unter tausend zu sein, musst du ganz schnell los werden und deswegen brauchst du Menschen. Die lernt man am besten bei einem Bierchen und einer Zigarette kennen und so findest du dich des Öfteren auf dem offenen Crewdeck beim Versacken.


Nach knappen zwei Wochen fühlst du dich dann schon angekommen. Du hast Anschluss gefunden, nette Menschen um dich herum und Arbeit, die dir Spaß macht. Dazu kommt noch der frühlingshafte Sonnenschein der Kanaren. Da ist es nebensächlich, dass du dich auf dem Schiff immer noch verirrst und mit Fragezeichen in den Augen auf der Suche nach dem Ausgang bist.

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